Ukraine 2003 - Rundfahrt durch die Karpaten
Teil 1: 1. Juni 2003 - 6. Juni 2003


Statt langer Vorreden eine übersichtliche Streckenkarte

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Diese übersichtliche Streckenkarte stammt aus der Zeitschrift "FERN-EXPRESS" - Heft Nr. 80 (IV/2003) "Bahnen der GUS - Teil 2". Mit relativ wenig Aufwand konnte ich diese Karte für meine Zwecke umgestalten, farblich habe ich die Tagesetappen hervorgehoben. Ich habe zu Beginn eines neuen Tages immer einen Verweis auf diese Karte eingearbeitet, damit der Überblick bei derartig vielen femden Ortsnamen niemals verloren gehen kann.



1. Juni 2003 - Von Kovel bis Sarny

Streckenkarte

- Ankunft in Kovel
- Besuch Lok-Depot Kovel und Lokreserve Verbka
- Abendessen in Kovel im Restaurant "Lisova pisnja"
- Besuch der Werkbahn der Firma "Wolintorf" Prylisne
- Busfahrt nach Sarny
- Bezug der Abteile im Sonderzug

Werkhalle Lok-Depot Kovel

Besuch des Lok-Depots Kovel

Ein wichtiger Bahnknoten im Nordwesten der Ukraine ist Kovel. Hauptstrecken in Richtung Brest (Weißrussland), Jagodin (Polen), Līviv, Korosten - Kiew und Kasatin - Kiew sorgen für umfangreichen Reise - und Güterverkehr. Obwohl letztere Strecke mittlerweile elektrifiziert ist, sorgt das Aufkommen auf den anderen Verbindungen für eine ausreichende Auslastung des Lok-Depots Kovel. Zahlreiche Lokomotiven der Baureihen M62, 2M62 und 2M62U haben hier ihre Heimat, im Bild erhält gerade 2M62U-0184 eine Hauptuntersuchung, zu diesem Zweck wurden die A- und B-Sektion getrennt.

Außengelände Lok-Depot Kovel I

Eine Besonderheit im Bestand des Lok-Depots Kovel ist M62-1385. Dem aufmerksamen Betrachter fallen mit Sicherheit Puffer und Schraubenkupplung ins Auge. Es handelt sich tatsächlich um eine normalspurige Lokomotive mit der Spurweite von 1435 Millimetern. Das Einsatzgebiet der Maschine ist deshalb sehr eng abgesteckt, sie kann lediglich auf der Strecke Kovel - Jagodin - Dorohusk (Polen) fahren, neben dem sonst üblichen Breitspurgleis liegt hier noch ein Normalspurgleis. Tatsächlich genutzt wird dieses Gleis nur noch zum Tausch der Rangierlokomotiven für die Umspuranlage des Bahnhofs Jagodin. Das seltsame "Betonskelett" sollte mal eine Besandungsanlage für normalspurige Lokomotiven werden...

Außengelände Lok-Depot Kovel II

Der Lokkasten einer unbekannt verblichenen M62 konnte mit dem für den alten Ostblock typischen Improvisationstalent der Menschen einer Zweitverwertung zugeführt werden. Etwas adaptiert dient er heute als kleiner Abstellschuppen im Außengelände des Lok-Depots Kovel.

an der Lokreserve Verbka

Besuch der Lokreserve Verbka

Der Besuch der Lokreserve Verbka war für die Sammler von Loknummern mit Sicherheit von Interesse. Auf zwei Gleisen (hinter den Bäumen - gute Tarnung...) sammelt das Lok-Depot Kovel hier seine überschüssigen Maschinen der Baureihen M62, 2M62 und CME3, welche sich bei unserem Besuch teilweise schon in sehr schlechtem Zustand befanden. Nicht besser war übrigens der Bus, der uns noch bis zum späten Abend treu bleiben sollte, inklusive ausgeleierter Stoßdämpfer und Auspuffgase im Fahrgastraum....

Kippanlage Torffabrik Prylisne

Besuch der Werkbahn der Firma "Wolintorf" Prylisne (750 mm)

Überraschung! Im letzten Sonnenschein bog der "Schrottbus" plötzlich von der Hauptstraße ab. Wenige Minuten später wurde die Gruppe schon am Tor der Firma "Wolintorf" in Prylisne erwartet. Bevor es mit dem Sonderzug auf die Strecke herausging, stand ein kurzer Rundgang durch das Werk auf dem Programm, der auch an der modernen, zweigleisigen Kippanlage vorbeiführte.

Werkhallen Torffabrik Prylisne

Das gesamte Werksgelände hinterließ einen außerordentlich aufgeräumten und sauberen Eindruck. Kaum eine Spur von Schlamperei, keine der sonst üblichen Schrottecken trübten den positiven Gesamtzustand. Das Werk selber ist wohl noch nicht übermäßig alt. Das eine Torffabrik auch wesentlich primitiver aussehen kann, sollte noch während dieser Reise geklärt werden.

Torfbahn Prylisne I

Mit TU8-0413 und einem heruntergekommenen Einheitspersonenwagen der Bauart PV51 (inkl. Selbstbauofen) befuhren wir ca. 5 Kilometer der insgesamt 10 Kilometer langen Hauptstrecke zum Torfabstich. Mit den Abzweigstrecken wird eine Gesamtlänge des Netzes von etwa 15 Kilometern erreicht. Auf der durch hügeliges Gelände führenden Strecke verkehren 6 Zugpaare täglich, jeder Zug besteht aus 10 - 12 modernen Selbstentladewagen, welche beladen jeweils ein Gewicht von 11 Tonnen auf die Waage bringen.

Torfbahn Prylisne II

Auf der Rückfahrt übernahm die während der Hinfahrt nachfolgende TU7A-3686 (?) die Traktion unseres kurzen Zuges. Belagert von abermillionen Mücken - in diesem Fall von einer ganz besonders üblen und gierigen Sorte - versuchten sich die Härtesten unter uns nach Sonnenuntergang an einem interessanten Schattenriss mit Spiegeleffekt. Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen und war mir das halbe Dutzend fette Mückenstiche am ganzen Körper durchaus wert! Ein ganz besonderer Dank geht an das Personal der Werkbahn, die für unseren Besuch ihre Arbeitszeit mit Sicherheit überschritten hatten!



2. Juni 2003 - UZ-Schmalspurbahn Antonivka - Zaricne

Streckenkarte

- Fahrt von Sarny nach Antonivka
- Fahrt auf der UZ-Schmalspurbahn von Antonivka nach Ostrivsīk u.z. (Abschnitt Ostrivsīk - Zaricne aus Zeitgründen nich befahren)
- Fahrt von Antonivka nach Zdolbuniv

Porträt Lokführer TU2-066

Fahrt auf der UZ-Schmalspurbahn Antonivka - Ostrivsīk (- Zaricne)

Ganz besondere Aufmerksamkeit wurde an unserem Besuchstag vom Personal des Sonderzuges abverlangt. Häufiger Aus- bzw. Einstieg auf freier Strecke, Zurücksetzen des Zuges und die speziellen Wünsche der Fotografen und Videofreunde stellten Lokführer und Zugbegleiter auf eine harte Bewährungsprobe. Doch der ruhige und konzentrierte Blick des Lokführers von TU2-066 beim Zurücksetzen des Zuges zeigt es - man hat Erfahrung mit der Betreuung von Eisenbahnfreunden!

Pferdefuhrwerk bei Volodymyrecī

Nicht gestellt werden mußte diese Aufnahme mit einem zufällig vorbeifahrenden Pferdefuhrwerk kurz vor Volodymyrecī (km 26). Das wald- und sumpfreiche Pripjet-Gebiet an der Grenze zum Nachbarland Weißrussland ist sehr dünn besiedelt, die Bevölkerung arm. Der Einsatz eines Hafermotors stellt also keinesfalls eine Besonderheit dar. Die beiden Passagiere auf dem Wagen freuten sich über die ungewohnten Gäste und wurden für ihr kurzes, aber sehr effektives Schauspieldebüt mit zwei Flaschen Bier belohnt.

Stryjbrücke bei Mlynok

Das bemerkenswerteste Bauwerk der Schmalspurbahn Antonivka - Zaricne ist die Stryjbrücke bei Mlynok (km 57,5). Durch ihren Aufbau aus Holzpfeilern macht sie einen ausgesprochen "wilden" Eindruck. Unser Sonderzug mit TU2-066 überquerte den nach wochenlanger Trockenheit nur noch träge dahinfließenden Fluß auf Hin- und Rückfahrt ohne Komplikationen und stellte somit die Alltagstauglichkeit dieser Konstruktion eindeutig unter Beweis.

Ausfahrt Bahnhof Ostrivsīk

Natürlich darf ein Bild eines planmäßig verkehrenden Zuges an dieser Stelle nicht fehlen. Der mit vielen Schülern gut besetzte Zug 6552 Zaricne - Antonivka verließ in der Glut der Mittagssonne den kleinen Bahnhof Ostrivsīk (km 75). Für die 110 Kilometer lange Strecke veranschlagte der Fahrplan des Jahres 2003 eine Fahrzeit von 3 Stunden und 18 Minuten. Das ergab eine Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 30 km/h! Der gute Oberbauzustand ließ übrigens zum damaligen Zeitpunkt sogar die Höchstgeschwindigkeit von Zuglok TU7-0767 - 50 km/h - zu. Beinahe hätte ich es vergessen - eine Rückfahrt war an diesem Tag nicht mehr möglich. Das zweite Zugpaar wurde Ende 2001 gestrichen.

Einfahrt Bahnhof Ostrivsīk

Die Fahrt unseres Sonderzuges wurde aus Zeitgründen in Ostrivsīk abgebrochen. Nach Durchfahrt des planmäßigen Personenzuges war es jedoch mühelos möglich, eine gestellte Einfahrt des Zuges aus Richtung Zaricne zu arangieren. Der Stellhebel für das Formeinfahrtsignal befindet sich nicht - wie üblich - am oder im Bahnhofsgebäude, sondern einige hundert Meter entfernt davon auf Höhe des Fotografen! Zum Stellen des Signals - und natürlich auch der Weichen - schwingt sich der diensthabende Agent auf sein Fahrrad.

Die Kinder vom Bahnhof Ostrivsīk

Sichtlichen Spaß hatten die Kinder von Ostrivsīk beim "Posieren" vor unseren Fotoapparaten. Um die schöne Szene nicht gestellt wirken zu lassen, war allerdings reichlich Geduld und Trickserei nötig. Bahnhöfe sind in der Ukraine noch immer der Mittelpunkt des Lebens. Das trifft für die Bahnhofsidyllen auf dem Land ebenso zu, wie für die "Eisenbahnkathedralen" der Großstädte.

Sicherungstechnik Bahnhof Ostrivsīk

In ihrer äußerst wechselvollen Geschichte diente die von Antonivka ausgehende Schmalspurbahn schon der russischen Forstwirtschaft, als Heeresfeldbahn den zaristischen Truppen, zwischen den beiden Weltkriegen dem Personenverkehr unter Regie der polnischen Staatsbahn PKP (der Staat Polen wurde 1918 wieder eingerichtet) und nach 1945 wiederum der Forstwirtschaft, jetzt unter sowjetischer Herrschaft! 1964 wurde schließlich das aktuelle und wohl auch letzte Kapitel dieser faszinierenden Strecke aufgeschlagen. Nach Übernahme durch die sowjetische Staatsbahn wurde die Strecke nach Zaricne verlängert und ein spärlicher Reiseverkehr eingerichtet. So erhielt auch das Dorf Ostrivsīk seinen Anschluß an die weite Welt. Die Sicherungstechnik des Bahnhofs wurde allerdings gebraucht eingekauft, handelt es sich bei "B" und "C" gar um lateinische Buchstaben?

Ortsdurchfahrt Borove

Bei Passage des Dorfes Borove (km 62) waren Zug und fotografierende Fahrgäste eine Attraktion, in erster Linie und zum wiederholten Mal - wie man gut sehen kann - bei Kindern und Jugendlichen! Im Hintergrund befährt der von TU2-066 bespannte Sonderzug auf einer streckentypischen Holzbrücke den kleinen Fluß Vyrok, einem kurzen Nebenarm des Stryj. Die unkonventionelle Gestaltung der Baureihe TU2 kommt bei seitlichen Aufnahmen besonders negativ zur Geltung.

Waldausfahrt und Bahnübergang in km 34,2

Gegen Ende unseres Besuchstages auf der Schmalspurbahn Antonivka - Zaricne verbesserten sich die Lichtverhältnisse zusehends. Ohne Zeitdruck konnte dies für einige schöne Fotohalte genutzt werden, auch Wiederholungen und Variationen waren möglich. Unter Zuhilfenahme eines Zoomobjektivs konnte an dieser Waldausfahrt mit nachfolgendem Bahnübergang (km 34,2) der überwiegend flache Charakter der Landschaft ein wenig kaschiert werden.

Sanddüne bei km 32,8

...der überwiegend flache Charakter der Landschaft... Für das - meiner Meinung nach - beste Motiv des Tages war dann doch eine kleine Erhebung in Form einer gar nicht so kleinen Sanddüne (km 32,8) zu erklimmen. So weit das Auge auch sehen kann - es sieht nichts als Wald und Einsamkeit! Die wenigen Orte sind nur auf schlechten Straßen zu erreichen, von einer auf ganzer Länge parallel zur Schmalspurstrecke verlaufenden Straße ist man noch weit entfernt. Die Eisenbahn stellt somit derzeit das einzige öffentliche Verkehrsmittel. Mangels Alternative wurde unser Sonderzug sogar von "richtigen" Fahrgästen genutzt, die auf dem hinteren Führerstand der Lok einen Sitzplatz fanden.

Betriebswerkstätte Antonivka

Nach einem weiteren Fotohalt wurden die letzten 27 Kilometer, auch mit Rücksicht auf die "blinden Passagiere" auf der Lok, ohne Zwischenstop zurückgelegt. Dabei erreichte die Lok TU2-066 zeitweise ihre Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h! Ganz uneigennützig war die Sache nicht, schließlich sollte in Antonivka noch ein Foto mit einer Gegenüberstellung eines breitspurigen und eines schmalspurigen Fahrzeuges entstehen. Leider kam statt des erwarteten Dieseltriebwagens eine lokbespannte Garnitur, die uns ihren unfotogenen Zugschluß entgegenhielt! Entschädigt wurde man in der wenige hundert Meter entfernten und bestens ausgeleuchteten Betriebswerkstätte. Im links zu sehenden Lokschuppen wartete in Form von TU2-062 die Schwesterlok von TU2-066 auf ihre Zukunft, rechts neben der rangierenden Lok ist die Wagenwerkstatt.



3. Juni 2003 - Torfbahn und Torfbrikettfabrik Smyga

Streckenkarte

- Besuch Lok-Depot Zdolbuniv
- Fahrt von Zdolbuniv nach Dubno, anschließend Busfahrt von Dubno nach Smyga
- Besuch der Werkbahn der Torfbrikettfabrik Smyga
- Fahrt von Smyga nach Kiverci

Heizungsanlage Lok-Depot Zdolbuniv

Besuch Lok-Depot Zdolbuniv

Gleich vier Kessel von ausrangierten Dampflokomotiven sorgen während der kalten Jahreszeit dafür, daß die Arbeiter des Lok-Depots Zdolbuniv nicht frieren müssen. Diese Art der Heizung von Eisenbahn-Betriebsstätten ist in der ehemaligen Sowjetunion nicht ungewöhnlich, die Größe der hier zu sehenden Anlage jedoch schon!

Lok-Depot Zdolbuniv

In Zdolbuniv zweigt die Strecke in Richtung Kovel - Brest (Weißrussland) von der wichtigen Magistrale Kyjiv (Kiew) - Līviv ab. Demzufolge recht bunt ist der im dortigen Lok-Depot beheimatete Triebfahrzeugpark, der von den landesweit nicht wegzudenkenden Diesellokomotiven der Baureihe CME3 (Bild: CME3-3351) bis hin zu den Elektrotriebzügen der Bauarten ER9P und ER9T reicht. Mit ER9T-746 war sogar ein sehr luxuriöses Fahrzeug zugegen. Nicht ohne Stolz führte man uns durch die mit gepolsterten Einzelsitzen, Gardinen, einer Bar und Videoanlage ausgestatteten Fahrgasträume! Auch profanere Dinge, wie der links stehende Traktor, gehören zum Inventar des Werkes.

Verbotsschild im Bahnhof Zdolbuniv

Fahrt von Zdolbuniv nach Dubno

"Achtung! Überschreiten der Gleise verboten! Strafe von 8 bis 17 Grivna" - mit recht deutlichen Worten macht die Ukrainische Eisenbahn unmißverständlich klar, daß sie das wilde Überqueren ihrer Bahnanlagen nicht duldet. Ungeachtet dessen verläuft nur wenige Meter vom Schild entfernt ein gut frequentierter Trampelpfad über alle Gleise des Bahnhofs Zdolbuniv und weiter quer durch das Gelände des benachbarten Lok-Depots! Selbst Fahrräder, bepackt mit schweren Taschen, werden dort entlang gehievt. Das eine wuchtige SA3-Mittelpufferkupplung - im Bild jene von 2M62U-0161 - nie wieder "rauseitert", muß ich wohl nicht weiter betonen...

Bahnübergang bei Glynsīk

Die Fahrt auf der elektrifizierten Strecke von Zdolbuniv nach Dubno verlief weitestgehend gegen das Licht. Zur Vermeidung einer schwarzen Front kamen nur seitliche Aufnahmen von der Zuglok 2M62U-0161 in Frage, hier an einem typischen Bahnübergang nahe des Haltepunktes Glynsīk. Fotohalte an Bahnübergängen lösten stets Verunsicherung und Nervosität bei den Schrankenwärterinnen aus. Nicht nur die lange Schließzeit der Schranke, auch das zum Teil lebensgefährliche Verhalten einiger Teilnehmer (überwiegend Eisenbahner!), die nicht einsehen wollten, daß auf zweigleisigen Strecken stets mit Zügen der Gegenrichtung zu rechnen ist, sorgte für reichlich "Unverstandensein" bei den ukrainischen Eisenbahnerinnen!

Busfahrt nach Smyga

Busfahrt von Dubno nach Smyga

Fotohalte mit Bus - warum eigentlich nicht? Kaum hatten alle Teilnehmer im etwas engen Bus Platz genommen, hieß es auch schon wieder: "Aussteigen, Fotohalt!" Der reichlich verdutzte Fahrer mußte sein Vehikel passend an dieser neuen Kirche zwischen Dubno und Smyga parken. Sicher brauchte er anschließend noch etwas Zeit, dieses eigenartige Erlebnis zu verdauen: "Was, der Bus soll mit ins Bild?" - "Ja, selbstverständlich!" - "Seltsame Leute, wollen zu einer stinkenden Torfbrikettfabrik und nun auch noch den Bus mit Kirche fotografieren..."

Torfabstich bei Stupno

Besuch der Werkbahn der Torfbrikettfabrik Smyga

Die Arbeiter der Torfbrikettfabrik Smyga waren uns wohlgesonnen. Extra für uns bastelte man - in Ermangelung eines Reisezugwagens - auf Basis eines Flachwagens eine Notvariante für unsere Fahrt zusammen. Mit den aufgenagelten Klappstühlen, die wohl aus einem Kino oder Theater stammten, und einer Holzbrüstung ergaben sich - aus Sicht der Fotografen - skurile Szenen. Als Motiv taugte unser Zug also kaum, dafür konnte man den kühlenden Fahrtwind genießen und brauchte sich nicht um öffnungsfähige Fenster zu sorgen. Nur aufstehen mußte ich im Torfabstich bei Stupno, um einen Löffelkettenbagger abzulichten. Ein großer Nachteil des Torfabbaus ist die nicht zu übersehende Landschaftszerstörung.

Einfahrt Ausweichstelle 3 (km 18)

Auf der Rückfahrt vom Torfabstich Stupno nach Smyga kamen wir dann doch in den Genuß echter Torfbahnatmosphäre. Der Abbau des Rohmaterials ist nur von Juni bis September und auch dann nur bei trockener Witterung möglich. An unserem Besuchstag waren alle Voraussetzungen gegeben und auf der 24 Kilometer langen Strecke gleich mehrere Züge unterwegs. Nahe der Ausweichstelle 3 (km 18) durchquerte ein - aus acht beladenen Wagen bestehender und von Lok 2 (TU6A) gezogener - Vollzug eine riesige Sanddüne.

Zugkreuzung in Ausweichstelle 1 (km 10)

Den Höhepunkt aller Betriebsamkeit erlebten wir mit dieser Zugkreuzung in der Ausweichstelle 1 (km 10). Während Lok 2 (TU6A) mit einem Vollzug in Richtung Smyga unterwegs war, hatte Lok 1 (TU8G-0016) mit einem Leerzug zum Torfabstich bei Stupno den überwiegenden Teil der Fahrt noch vor sich.

zwischen Ausweichstelle 1 und Smyga

Mit diesem sehr schönen Nachschuß nahe der Ausweichstelle 1 (km 10) auf den von Lok 2 (TU6A) gezogenen Vollzug zur Torfbrikettfabrik Smyga möchte ich den Reigen der Streckenaufnahmen abrunden. Die Baureihe TU6A wurde mit einer Achslast von lediglich 3,5 Tonnen speziell für den leichten Oberbau von Torf- und Waldbahnen entwickelt und in stolzen 3915 Exemplaren ausgeliefert. Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen dem Brennsoffvorrat (450 Kg) und Sandvorrat (600 kg) der Lok! Die Gleise von Wald- bzw. Torfbahnen verwandeln sich bei regnerischem Wetter in "Rutschbahnen", jedes mitgeführte Körnchen Sand ist dann eine gute Investition.

Radsatzdrehbank in der Schmalspurbahnwerkstatt Smyga

Wenn alle betriebsfähigen Lokomotiven auf der Strecke zum Torfabstich bei Stupno unterwegs sind, dann steht der dazugehörige Lokschuppen in Smyga zwangsläufig leer. Das eröffnet den Blick auf die kleinen Details einer typischen Schmalspurbahnwerkstatt. Besonders angetan hatte es mir die Radsatzdrehbank, auf der gerade eine eingespannte Achse ihrer weiteren Bearbeitung harrte.

Inselbetrieb von der Bandanlage zur Torfbrikettfabrik Smyga

Wenn der Torf am Schmalspur-Bw auf der Ostseite der nur noch im Güterverkehr betriebenen UZ-Breitspurstrecke Dubno - Kremenecī vorbeirollt, dann ist er noch längst nicht an seinem Ziel angelangt. Das Rohmaterial wird nun auf ein Transportband geschüttet und über die breitspurigen Gleisanlagen befördert, um dann westlich davon in breitspurige oder wiederum in schmalspurige Wagen eines kleinen Inselbetriebes geschüttet zu werden. Die letzten Meter der Transportkette bis zur Torftrocknungsanlage obliegt dann einzig TU8G-0333 die Traktion der Züge.

Torfbrikettfabrik Smyga I

Besuch der Torfbrikettfabrik Smyga

Finsterstes Industriemittelalter - so läßt sich der Zustand der Torfbrikettfabrik Smyga kurz zusammenfassen. Die allerletzte Reise beginnt für den Torf in der Trocknungsanlage. Grob gesehen ist das der eigenartig aussehende "Röhrenkubus" im Bildhintergrund. Nach der Trocknung wird der Torf in einem letzten Arbeitsschritt zu Briketts gepresst. Dies geschieht im bröckelnden Schuppen am linken Bildrand. Im Inneren dieser Bruchbude herrschen Arbeitsbedingungen, die in Deutschland kaum mehr vermittelbar wären - es ist stockduster und die Pressen machen einen Höllenlärm!

Torfbrikettfabrik Smyga II

In schnellem Rythmus spucken beide Brikettpressen das fertige Endprodukt aus. Mittels Transportband kommt der entstandene Brennstoff in einen Hochbunker, von wo er - auf LKWīs verteilt - zu den Endverbrauchern in der Region gelangt. Trotz ihres minderwertigen Heizwertes sind Torfbriketts ein begehrter, weil billiger Brennstoff. Das wird mancher schmalspuriger Torfbahn noch einige Jahre das Überleben sichern.



4. Juni 2003 - Von Kiverci bis Līviv

Streckenkarte

- Fahrt von Kiverci nach Līviv
- Besuch des Straßenbahndepots 1 in Līviv mit anschließender Stadtrundfahrt
- Besuch der Kindereisenbahn Līviv
- Freizeit (kleine Fototour Straßenbahn und Hauptbahnhof)

Kuhmädchen bei Vyguryci

Fahrt von Kiverci nach Līviv

Auf dem Weg von Kiverci nach Līviv legten wir erstmals nahe des Haltepunktes Vyguryci einen Fotohalt ein. Doch weniger der Zug war im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses - nein, das hübsche "Kuhmädchen" zog alle Blicke auf sich! Auch mein Fotoapparat sah das so und ließ sich für einen Schnappschuß nicht lange bitten. Ein Pferdefuhrwerk rutschte dabei mit ins Bild und komplettierte so die scheinbare Dorfidylle!

bei Haltepunkt Galycyny

Ohne visuelle Ablenkung konnte man angesichts der äußerst vorzeigbaren 2M62-1254 auch mal wieder einen Blick auf die Eisenbahn werfen. Nahe des Haltepunktes Galycyny verläuft die Strecke Kiverci - Līviv durch teilweise sehr enge Kurven. Die leicht hügelige Landschaft ließ jedenfalls auch eine großzügigere Trassierung zu.

Līviv - Straßenbahndepot 1

Besuch des Straßenbahndepots 1 in Līviv mit anschließender Stadtrundfahrt

Nur einen "Steinwurf" entfernt vom Bahnhof Līviv-Golovnij (Hauptbahnhof) befindet sich das Straßenbahndepot Nummer 1. Im Jahr 1929 erbaut, beheimatet es heute lediglich noch 25 Wagen der CKD-Typen T4SU und KT4SU, welche zwischen 1973 und 1988 geliefert wurden. Ein besonderes Einzelstück wurde extra für uns aus dem dunklen Schuppen ins Tageslicht gefahren. Beim Arbeitswagen mit der symbolischen Nummer 1 handelt es sich um einen der in Deutschland sehr bekannten "Gothawagen", von denen 75 Einheiten aus Trieb- und Beiwagen in Līviv bis 1983 im Liniendienst eingesetzt wurden.

Līviv, Bernardinenkloster

Für wenige hundert Meter Strecke vom Depot 1 bis zum Zentrum Līvivs benötigte der historische Triebwagen 93 etwa eine halbe Stunde. Ein Dauerstau ließ den Oldtimer kaum über Schrittgeschwindigkeit hinauskommen, aus einer geplanten Stadtrundfahrt wurde so fast ein Stadtrundstand. Am Bernardinenkloster war Schluß mit dem Trauerspiel. Doch ohne ein vernünftiges Bild wollte ich den Wagen nicht wegfahren lassen. Wagemutig stellte ich mich mitten auf eine dicht befahrene Straßenkreuzung, im Wissen, daß mein Leben da nicht einen "Pfifferling" wert war! Selbst unsere Dolmetscherin Natascha aus der Hauptstadt Kyjiv fühlte sich im Verkehrschaos sehr unwohl, wie sie uns später gestand!

Līviv, Marktplatz

Die beiden Ringlinien 1 und 9 erschließen vom Hauptbahnhof aus die engen Straßen der wunderschönen Līviver Altstadt. Während die Linie 1 den Marktplatz gegen den Uhrzeigersinn passiert, steht dem auf der Linie 9 eingesetzten Wagen 878 (T4SU; CKD 1975; ex. Kaliningrad) die Fahrt in der quasi "richtigen" Richtung zu. Die Wagen der Bauart T4SU werden wegen des katastrophalen Fahrgastschwunds der letzten Jahre nur noch solo eingesetzt. Während die 2. Triebwagen in den beiden Depots "konserviert" (= unter freiem Himmel) abgestellt wurden, drängeln sich die Fahrgäste dank der zusätzlich noch gestreckten Taktzeiten in den nun häufig unterdimensionierten "Zügen".

Kindereisenbahn Līviv, Bahnhof Parkova

Besuch der Kindereisenbahn Līviv

Nachdem die Strecke der 1951 eröffneten Kindereisenbahn Līviv um 1978 herum auf jetzt gerade noch 1,2 Kilometer verkürtzt wurde, lohnt sich das Einnehmen eines Sitzplatzes in einem der gut erhaltenen Wagen des polnischen Herstellers Pafawag nicht mehr. Ein Besuch dieses kleinen Betriebes lohnt sich trotzdem, wird doch hier mit TU3-039 die letzte noch betriebsfähige Lokomotive dieser Baureihe in der Ukraine eingesetzt. Hersteller war das tschechische Traditionswerk CKD Praha, Lokmotiven des selben Types werden heute noch in Jindrichuv Hradec und Osoblaha (Tschechien) eingesetzt. Mit TU2-087 wurde an unserem Besuchstag auch die zweite Einsatzlok im Bahnhof Parkova ins rechte Licht gerückt.

Līviv, vul. Gorodocīka

Freizeit (kleine Fototour Straßenbahn und Hauptbahnhof)

So schön die Stadt Līviv auch sein mag - sie hat ein echtes Verkehrsproblem! Hauptsächlichen Anteil daran haben die unzähligen privaten "Minibusse", welche nach einem undurchsichtigen Liniensystem und ohne feste Haltestellen verkehren. Sie verstopfen die Straßen und lassen auch den Fahrplan der Straßenbahn zu einem wertlosen Stück Papier werden. Für ein gutes Straßenbahnbild in der vul. Gorodocīka sollte man somit reichlich Zeit einplanen, nur selten versperrt einmal kein Auto den Blick auf eine vorbeifahrende Straßenbahn. In diesem Fall gewann Wagen 1099 (KT4SU; CKD 1986) den fast aussichtslosen Kampf - und das gegen einen "Minibus"!

Einrückfahrt ins Depot 1

Sehr früh beginnen in Līviv die ersten Straßenbahnwagen in das heimatliche Depot einzurücken. Der Wagen 823 (T4SU; CKD 1974) wurde den Tag über auf der Linie 2 vul. Konoval`cja - Licakivsīka eingesetzt und legt auf dem Bild die letzten Meter bis ins rettende Depot 1 in Straßenseitenlage zurück. Die Qualität der meterspurigen Gleisanlagen (die Meterspur ist ein Überbleibsel aus k.k.-Zeiten) ließ sichtbar zu wünschen übrig. Mitunter ragten die Schienen 10 Zentimeter aus aus der Straße heraus und stellten somit äußerst gefährliche Stolperfallen dar.

Bahnhof Līviv Golovnij I

Die prachtvollen Bauten des Bahnhofs Līviv Golovnij (Hauptbahnhof) wurden Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Auch knapp 100 Jahre später erstrahlte die Bahnhofshalle im schönsten Glanz. Auffällig wenige der sonst üblichen "Buden" (Imbiß, Aufzüge etc.) versperrten den freien Blick durch dieses monumentale Bauwerk, so auch auf den bereitgestellten Triebzug DR1A-180, der als Zug 830 die Strecke Līviv - Kovel bedienen sollte. Die Reisenden im Vordergrund warteten allerdings auf...

Bahnhof Līviv Golovnij II

...einen anderen Zug. Minuten später rollte auch schon der von CS4-204 gezogene Schnellzug 50 "Kopsar" aus Truskavecī (Karpatenvorland, bei Stryj) zur Weiterfahrt in die Hauptstadt Kyjiv in den Bahnhof Līviv Golovnij ein. Der gute äußere Zustand der Lok ist für diese formschöne Baureihe, die von Skoda (Tschechoslowakei) gebaut wurde, absolut untypisch. Besondere Probleme bereitet die Front aus einem Kunststoffgemisch, nicht selten platzt der frisch aufgebrachte Lack schon nach kurzer Zeit wieder ab. Ein weiteres Problem ist die schwierige Ersatzteilbeschaffung, z.B. nach Unfallschäden. Deshalb wurde 2001 begonnen, diese Baureihe zu modernisieren, wobei die runde Kopfform einer eckigen aus Metall weicht.



5. Juni 2003 - Von Līviv bis Cop

Streckenkarte

- Besuch der Lok-Depots Līviv Sapad und Līviv
- Fahrt von Līviv nach Cop über Sambir mit längerem Aufenthalt in Uzhorod

Depot Līviv

Besuch des Lok-Depots Līviv

Die bereits aufgestellten Masten ließen es am Besuchstag bereits erahnen, daß die Außenanlagen des in der Nähe von Līviv-Golovnij befindlichen Depots Līviv schon bald elektrifiziert sein würden. Noch ohne die störende Oberleitung präsentierten sich den Fotografen am schmucklosen Wasserspeicher mit CME3T-7163 und 2M62-0771 zwei typische Vertreter der UZ-Dieseltraktion.

zwischen Lopusanka und Jasenicja

Fahrt von Līviv nach Cop über Sambir und Uzhorod

Zweifellos einer der Höhepunkte der Reise war die Durchquerung der Karpaten im Verlauf der eingleisigen, elektrifizierten Strecke Līviv - Sambir - Uzhorod - Cop. Auf diesem Bild befindet sich unser Sonderzug in den ersten Ausläufern dieses gewaltigen Mittelgebirges, genauer genommen bei Kilometer 108,6 zwischen den Bahnhöfen Lopusanka und Jasenicja. Als Zuglok wurde mit WL11M-095 (M = Modernisierung) DIE streckentypische Traktion eingeteilt. Trotz der beachtlichen Leistung von 4600 kW sind mitunter drei Maschinen nötig, um einen Güterzug über die steigungsreiche Strecke zu ziehen.

vor Rozluc

Je näher wir dem Gebirgskamm kamen, desto wilder und romantischer gestaltete sich der Blick aus dem Zugfenster auf die Landschaft der Transkarpaten. Fotomotive ergaben sich rein theoretisch im Abstand weniger Kilometer. Leider aber sollte dieser Halt auf freier Strecke nahe Rozluc der letzte für die nächsten Stunden gewesen sein. Obwohl eine Fotogenehmigung für die aus strategischen Gründen zum Teil schwer bewachte Strecke vorlag, ließ sich der Lokführer nicht von seiner recht zügigen und ungebremsten Fahrweise abbringen. Schade!

Bahnhof Kamījanycja

Mehr ein Zwangs- statt Fotohalt fand wegen einer Zugkreuzung im Bahnhof Kamījanycja statt. Auch die gigantischen und fotogerecht platzierten Verladeanlagen eines benachbarten Steinbruchs vermochten die einheitlich enttäuschten Minen nicht aufhellen! Beim entgegenkommenden Zug handelte sich um die Triebwageneinheit ER2-510 + ER2-533, welche als Zug 6826 auf dem Weg von Mukaceve nach Sjanky - gelegen unmittelbar an der neuen EU-Außengrenze zwischen Polen und der Ukraine - war. Ein dadurch möglicher "Nachschuß" im besten Sonnenlicht rettete die Stimmung ein klein wenig.

Bahnhof Uzhorod I

Aufenthalt im Bahnhof Uzhorod

Den Bahnhof Uzhorod hatten wir uns als Grenzbahnhof zur Slowakei etwas großzügiger und betriebsamer vorgestellt. Statt regen Güterverkehr gab es auch nur die Abfahrt des Triebzuges ER2-330 aus der provinziell anmutenden Station zu fotografieren. Ziel des Zuges 6851 war der Bahnhof Uzhorod 1, wo sich vermutlich die hier vermissten umfangreichen Güteranlagen befanden. Tröstlich: Schon Monate später hatte dieses Bild historischen Charakter, da die Bahnhofsanlage komplett saniert und modernisiert wurde.

Bahnhof Uzhorod II

Jedem Bahnhof seine "Hummel"! Wenn schon sonst nichts los ist auf einem ukrainischen Bahnhof, rangiert wenigstens eine "Hummel" CME3 gar emsig herum. In Uzhorod wurde das Einhalten dieser unverbindlichen Regel durch CME3-1031 wahrgenommen, die eine beachtlich lange und bunt gemischte "Leine" am "Haken" hatte. Besondere Beachtung verdiente der bis fast zur Oberleitung mit Schnittholz beladene Rungenwagen, der sich unter dem Gewicht des Ladegutes bereits deutlich durchgebogen hatte!

Schrotthändler am Bahnhof Uzhorod

Das Detail am Rande: Mit einem urigen Kranmodell verlädt ein Schrotthändler hinter dem Bahnhof Uzhorod sein Ladegut in die Waggons der Ukrainischen Staatsbahn. Insgesamt gesehen hat sich der Aufenthalt in Uzhorod auf jeden Fall gelohnt. Einziges Manko war, daß keine Lok der breitspurigen ZSSK-Baureihe 125.8 vorbeikam. Doch der nächste Tag sollte uns alle entschädigen!



6. Juni 2003 - Von Cop bis Korolevo

Streckenkarte

- Besuch des Bahnhofs und Lok-Depots Cop
- Fahrt von Cop nach Korolevo
- Besuch des Lok-Depots Korolevo
- Fahrt von Korolevo nach Berehove

Depot Cop I

Besuch des Lok-Depots Cop

Durch die auffällig "blitzblanken" Hallen des Lok-Depots Cop wehte auch 12 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine noch immer ein Hauch der alten Zeit. An allen erdenklichen Stellen des Rundschuppens konnte man Bilder mit Eisenbahnern, die stolz erhobenen Hauptes ihren Blick in eine noch größere und bessere Zukunft richten, und Botschaften aīla "...für das Gedeihen der Ukraine!" erblicken. Eine weitere Spezialität des Lok-Depots Cop waren die aus Beton gegossenen und in den ukrainischen Nationalfarben gelb und blau gehaltenen Stationierungsschilder an den Lokomotiven.

Depot Cop II

Die Tore auf, die Lokomotiven hinaus zur großen CKD-Parade! Ohne mit der Wimper zu zucken, wurden zwei besondere Exemplare des aus tschechoslowakischer Produktion stammenden Bestandes vor den Rundschuppen in das Sonnenlicht gefahren. Während der links stehende und abweichend blau lackierte "Hektor" CME2-506 sein "Rentnerdasein" genießen durfte, war die perfekt herausgeputzte "große Schwester" CME3-4177 für weitaus höhere Aufgaben auserkoren. Auf einer Lokomotivausstellung in Līviv sollte sie Tage darauf das Lok-Depot Cop würdig präsentieren, was ihr mit Sicherheit auch gelang. Die Eisenbahner aus Cop boten den ausländischen Besuchern eine tolle Vorstellung, dafür vielen Dank!

Bahnhof Cop I

Besuch des Bahnhofs Cop

Im Vorwort unserer Reisebegleitmappe war folgender Satz zu lesen: "Vielleicht ist es möglich, neben den ukrainischen Lokomotiven auch solche aus der Slowakei (140 "Bobina") und aus Ungarn (M62) zu sehen und zu fotografieren." Wie man an diesem und dem nachfolgenden Bild sehen kann, war es sehr wohl möglich! Wähend das Gelingen einer Aufnahme mit der ZSSK-Baureihe 140 (vor Zug 221/8 "Dukla" Kosice - Kyjiv) auf dem vierschienig (1435/1520 mm) ausgeführten Gleis 1 dank des Fahrplanes absehbar war,...

Bahnhof Cop II

...bedurfte es für die Aufnahme der M62-272 schon deutlich mehr Glück. Sie brachte einen normalspurigen Güterzug über den Grenzfluß Tysa (Theiß) in ihre nahe ungarische Heimat Zahony. Ausgeliefert wurde diese Maschine im Jahr 1974 als M62-511, demzufolge als Maschine mit einer Spurweite von 1520 Millimetern, ihr Umbau erfolgte schließlich 1979. Durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch des RGW ist der Verkehr in diesem Bahnhof, über den in kürzester Zeit Rumänien, Ungarn und die Slowakei erreichbar sind, erheblich zurückgegangen.

Umspuranlage des Bahnhofs Cop

Unter freiem Himmel wurden beide (!) Wagen des Schnellzuges 221/8 "Dukla" Kosice - Kyjiv umgespurt. Im Moment der Aufnahme wird die Schraubenkupplung gegen die gerade mittels Kran hereinschwebende Mittelpufferkupplung getauscht. Der Wagen selber wurde mit hydraulischen Hebeböcken angehoben, um die normalspurigen Drehgestelle gegen solche mit einer Spurweite von 1520 Millimetern zu wechseln. Unglaublich - an diesem sonst heiligen Ort des Eisenbahnwesens, der normalerweise eingezäunt und mit einem absoluten Fotografierverbot belegt ist, wurden wir von "Zigeunern" bedrängt!

Bahnhof Kosyny

Fahrt von Cop nach Korolevo

Weiter geht es mit dem Wechselspiel der beiden Spurweiten! Im Fall der Überholung und Kreuzung im Bahnhof Kosyny übernahmen die links stehende 2M62-1241 mit dem Dzherelozug nach Korolevo und eine entgegengekommene weitere Lok der Baureihe 2M62 die breitspurigen Rollen, während sich 2M62-1211 mit einem Güterzug nach Halmeu (Rumänien) für den normalspurigen Part verantwortlich zeigte. Landschaftliche Höhepunkte suchte man in der Theißebene vergeblich, dafür präsentierte sich der Eisenbahnbetrieb auf der im Abschnitt Cop - Korolevo fast durchgehend mit Vierschienengleis ausgestatteten Strecke sehr interessant.

Bahnhof Berehove

Was sind schon zwei Spurweiten, wenn man auch deren drei haben kann? Möglich machen dies die Bahnhöfe Vynohradiv und Berehove (Foto). Während im Bild die Gleise mit den Spurweiten 1435 und 1520 Millimetern zu sehen sind, führt hinter dem großen Empfangsgebäude das 750 mm - Gleis der Borzavatalbahn entlang. Die Schmalspurbahn sollte das Programm des folgenden Tages bestimmen, an diesem Abend fuhr unser Sonderzug mit 2M62-1241 an der Spitze weiter nach Korolevo.

Bahnhof Korolevo

Einem vorübergehenden "Darmleiden" verdanke ich dieses Bild. Während die Reisegruppe dem Lok-Depot Korolevo einen Besuch abstattete, war ich wegen meines kleinen "Problems" an die Nähe des Zuges gebunden. Dort wurde mir ein gutes Programm geboten. Bei Ein- und Ausfahrt des Zuges 601 Solotvyno - Līviv, gezogen von 2M62-1074, entstanden tolle und exklusive Aufnahmen, die die entgangene Depotvisite deutlich relativierten. Die Reisezüge auf dieser Strecke wurden überwiegend mit modernisierten Triebzügen der Bauart D1 gefahren, die leider kunterbunt lackiert und auf den kuriosen Namen "Edelweiss" (!) getauft wurden.



Liebe Besucher!

Natürlich ist die "Rundfahrt durch die Karpaten" an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen. Weitere Bilder folgen in einigen Wochen. Bis dahin bitte ich um etwas Geduld!

Fester Bestandteil meiner Darstellungen sind die informativen Bildtexte. Im Fall der Ukraine war ich allerdings auf zahlreiche Quellen angewiesen, die ich folgend nennen möchte. Gleichzeitig dient dieses Quellenverzeichnis auch als Leitfaden, Interessierte können so weitere Informationen zur Ukraine und ihrer Eisenbahn erhalten:

Wolfram Wendelin: KARPATENDAMPF Band 1 - Schmalspurbahnen in Ostgalizien

Eigenverlag - Autor, Herausgeber, Vertreiber: Wolfram Wendelin, 1. Auflage 2002

Eine Bilddokumentation über Ostgaliziens kleine Bahnen von den Anfängen unter Österreich über Blütezeit und Niedergang bis zur Gegenwart in der Ukraine

Soviet Locomotive Types - The Union Legacy

Frank Stenvalls Förlag Malmö/Schweden, 1. Auflage 1995

Dieses Buch in englischer Sprache bietet mit Stand 1994 eine sehr gute Grundlage zum Kennenlernen aller Triebfahrzeuge der ehemaligen Sowjetunion. Im Anhang befinden sich eine Übersicht der Museumslokomotiven und die Tabellen des in der Ukraine nicht weiter verfolgten EDV-Nummerierungssystems.

Bahn im Bild 113: Schmalspurbahnen in der Ukraine

Verlag Pospischil Wien, 1. Auflage 2000

Neben einem kurzen Abriß zur Geschichte bietet dieses Buch zum Teil unwiederbringliche Aufnahmen fast aller nach 1990 betriebenen Schmalspurbahnen der Ukraine.

FERN-EXPRESS Dampf&Reise Überseeische Bahnen

Verlag: Röhr-Verlag GmbH / Herausgeber: Förderverein Dampf&Reise e.V.

Passend zum Thema hat diese vierteljährlich erscheinende Zeitschrift bislang zwei Schwerpunkthefte herausgegeben: Heft III/2002 - Bahnen der GUS - Teil 1; Heft IV/2003 - Bahnen der GUS - Teil 2

LOK Report - Europäisches Nachrichtenmagazin für Eisenbahnfreunde

Verlag und Herausgeber: Lok Report-Verlag GmbH

In unregelmäßigem Abstand berichtet die monatlich erscheinende Zeitschrift "LOK Report" über Neuigkeiten des Eisenbahnwesens in den GUS-Staaten. Unter der Rubrik "News" findet man auch im Internetauftritt gelegentlich neue Informationen.

Reisebüro Dzherelo SPK Kiew, Ukraine

Die Firma Dzherelo veranstaltet mehrmals im Jahr Fahrten für Eisenbahnfreunde mit einem Sonderzug, der äußerlich nur auf dem zweiten Blick von einem normalen Reisezug der UZ zu unterscheiden ist, im Inneren aber die Vorzüge eines Hotelzuges bietet. Das Reiseprogramm wird von den Initiatoren der Fahrten festgelegt, die Firma Dzherelo kümmert sich dann routiniert um die Organisation vor Ort.

Detlef Hanschke: Eisenbahnreisen durch die Ukraine

Zusammen mit Albrecht Fabian organisiert Detlef Hanschke einmal jährlich eine Fahrt für "Diesellokfreunde" durch die Ukraine oder deren Nachbarstaaten. Vor dem Hotelzug der Firma Dzherelo kommen regional typische Loktypen zum Einsatz, wobei der Schwerpunkt auf der Diesel- und E-Traktion liegt. An ausgewählten Standpunkten finden Fotohalte statt. Stadtbesichtigungen und Grillabende runden schließlich das gemütliche Programm ab.



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letzte Bearbeitung am 24. April 2004