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Vom 31. Juli bis 11. August 2002 unternahmen Christwart und ich eine Entdeckungsfahrt ins nördliche Polen. Obwohl - entdecken mußten wir nicht mehr alles. Schon im Sommer 1999 hatten wir die Gelegenheit, mit der Bahn durch´s wunderschöne Kaschubien und über Chojnice einen Teil der legendären Ostbahn kennenzulernen. Unvergessen bleibt dabei die durchgehende Bespannung unserer Züge von Chojnice bis Gorzow Wlkp. mit Lokomotiven der Baureihe ST44 (Gagarin, Trommel).
Um zu einer zufriedenstellenden Menge an qualitativ hochwertigen Fotos zu kommen, blieb uns nichts anderes übrig, als mit dem Auto zu fahren. Eine bekannte Autovermietung mit Herz versorgte uns mit einem nagelneuen Ford Mondeo Ghia. Der Wagen war so groß, daß man problemlos zu zweit darin "wohnen" konnte. Das sparte die tägliche Quartiersuche, als positiver Nebeneffekt lernte man den einen oder anderen Dorfweiher als einzige Waschmöglichkeit zu schätzen. Nicht immer war es so komfortabel, wie am überraschend sauberen und leeren Ostseestrand auf Hel, Eisenbahn auf Hörweite inklusive!
Der Traktionswechsel bei der PKP begann in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts und ist, wenn man Wolsztyn einbezieht, bis heute nicht beendet. Um den riesigen Bedarf an Diesel - und Elektrolokomotiven abzudecken, wurde bis Anfang der neunziger Jahre ein wahres Sammelsurium an Baureihen aus der Sowjetunion, Rumänien und aus dem eigenen Land angeschafft. Aufgrund des rückgehenden Verkehrsaufkommens wurden in den letzten Jahren unzählige Lokomotiven abgestellt, darunter auch erst 10 Jahre alte Lokomotiven der Baureihe ST44 und noch jüngere Exemplare der als störanfällig geltenden Baureihe SP32 aus Rumänien. Interessant sind auf dem E-Loksektor die Baureihen EU07, EP08 und ET41, welche ihren englischen Ursprung nicht verbergen können, allerdings - nach einer Beschaffung von 20 Stück der vergleichbaren Baureihe EU06 in England - in Lizenz im eigenen Land gebaut wurden. Standard auf dem Reisezugwagensektor sind die vierteiligen Doppelstockgarnituren und die neueren Einzelwagen aus Görlitz, welche sich mit den üblichen Mitteleinstiegs - und Abteilwagen den Personenverkehr teilen. In Chojnice konnten sich bis 2002 Restexemplare des legendären Schiebetürentypes SA102 halten.
Ich habe mich für eine Verbesserung der Übersichtlichkeit entschieden und werde daher alle Strecken getrennt nach Kursbuchnummer vorstellen. Einige Bilder aus dem Jahr 1999 habe ich mit einfließen lassen. Eine Übersichtskarte, auf der ich die besuchten Strecken eingezeichnet habe, findet Ihr hier.
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Impressionen an der Ostbahn - KBS 426 (Pila - ) Chojnice - Tczew
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Ausfahrt frei heißt es am 5. August 2002 für Os 57727 Chojnice - Pila Glowna. Der Schnappschuß, mit dem die Hauptdarstellerin nicht unbedingt einverstanden war, entstand während eines heftigen Sommerregens, der die Bahnsteigunterführung des Bahnhofs Chojnice (Konitz) binnen Minuten flutete und somit in ein unüberwindbares Hindernis verwandelte. Doch die hier sonst so übereifrige Bahnpolizei trat ob des massenweisen Überschreitens der Gleise überraschend nicht in Erscheinung. War wohl zu naß... Also dann - Ausfahrt frei für diese Galerie!
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Kleines Ratespiel: Über welche(s) der vier zu sehenden Gleise fädelt die Ostbahn in den Bahnhof Chojnice (Konitz) ein? Ich gebe zu, ohne Ortskenntnis kommt man nicht drauf. Es ist das halb verkrautete Gleis am rechten Bildrand - ein Spiegelbild der heutigen Bedeutung dieser einstmals wichtigen Magistrale Berlin - Königsberg. Die frisch hauptuntersuchte SU45-118, welche am 22. Juli 1999 auf Chojnice zurollt, konnte sich dagegen auf der völlig überdimensioniert zweigleisigen KBS 385 von Szczecinek mit ihren vier Mitteleinstiegswagen als Os 412 frei entfalten. Das Gleis im Vordergrund kommt von Naklo n. Notecia, die KBS 424 verlor auf diesem Abschnitt den wenigen Personenverkehr bereits im Jahr 2000.
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Die Baureihe SM42, eigentlich für Rangier - und Nahgüterzugdienste konzipiert, wird im Sommer recht häufig vor Reisezügen eingesetzt. Was am 5. August 2002 auf dem ersten Blick wie eine Rangierabteilung mit SM42-331 an der Spitze aussieht, entpuppt sich etwas später als Os 1920, der auf der KBS 431 eine Verbindung nach Laskowice Pomorskie herstellen wird. Fast spurlos ist die Zeit am rechts zu sehenden Empfangsgebäude des Bahnhofs Chojnice (Konitz) vorbeigegangen. Hier hält man sich gern auf.
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Mit ST44-895 und TNGS 8580 Szczecinek - Zajaczkowo Tczewskie verlassen wir den Bahnknoten Chojnice (Konitz) in Richtung Tczew. Es handelt sich um den einzigen planmäßigen Durchgangsgüterzug auf diesem Abschnitt der Ostbahn, wobei die Zuglänge sehr starken Schwankungen unterworfen ist. An diesem 6. August 2002 war der Zug äußerst kurz - die Zugbildung dagegen mehr als interessant, da sie fast ein Spiegelbild ergibt. Weiterhin ist der Lokwechsel in Chojnice von ST44 auf ST44 (!) und die für einen Güterzug recht ungewöhnliche Pünktlichkeit zu erwähnen. Mittels letzterem Punkt kann man fast seine Uhr stellen.
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Der Abschnitt Chojnice - Gutowiec ist aufgrund seiner Eingleisigkeit ein Betriebshindernis für den hier verhältnismäßig dichten Personenverkehr. Doch der Zustand dieses einen Gleises ist gut. Sehr schnell mußte ich die Belichtungswerte meines Fotoapparates ändern, als ST44-1105 mit Os 7729 Tczew - Chojnice am 6. August 2002 in den "Waldbahnhof" Rytel (Rittel) "hineinschießt". Noch ein paar Jahre und man sieht vom Stellwerk aus den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr...
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Dank ihrer frischen Farbschicht ist SU45-116 ein echter Hingucker! Der vormittägliche Personenzug Os 7728 Chojnice - Tczew passiert soeben in flotter Fahrt das westliche Einfahrtsignal des Bahnhofs Czersk. Im Bildhintergrund kann man sehr gut die typische Hauptstreckencharakteristik erkennen. Die überaus herausstechende gelbe Warnfarbe auf der Lokfront, welche seit Jahrzehnten zur besseren Erkennung des Zuges auch bei ausgeschalteter Spitzenbeleuchtung aufgebracht wurde, war an diesem 15. Juni 2002 bereits ein Auslaufartikel. Jetzt muß das Spitzenlicht, mit seiner Dimension ebenfalls eine liebenswerte Eigenart der PKP, ständig eingeschaltet werden. Dieses hebt sich auf einer dunkelgrünen Lokfront besser ab.
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Das war Glück! Sozusagen im Transit auf der Heimreise Ukraine - Deutschland konnten wir am 15. Juni 2002 die schwer arbeitende ST44-1102 mit TNGS 8580 Szczecinek - Zajaczkowo Tczewskie fotografieren. Weshalb Glück? Ganz einfach - erst fünf Minuten zuvor trafen wir für einen zweistündigen Aufenthalt im Bahnhof Czersk ein! Mit ST44-1105, welche einen Trafotransport Italien - Polen (Gdynia) bespannte, war sogar noch ein weiterer "Gagarin" anwesend. Zweimal ST44 in zwei Stunden - was will man mehr?
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Westlich des Bahnhofs Lag (Long) kreuzt die Ostbahn die ehemalige Kohlenmagistrale Gdynia - Bydgoszcz, welche im Kursbuch unter der Kursbuchstrecke 440 verzeichnet ist. Es existieren aber vor Ort keine Verbindungskurven. Doch auf streckenübergreifende Züge muß man nicht verzichten, die KBS 429 verbindet im Abschnitt Bak - Czersk beide Strecken. Dem Lokführer von SU45-182 und Os 7732 Chojnice - Tczew ist das an diesem sommerlichen 6. August 2002 aber völlig egal - Ostbahn pur stand auf seinem Programm!
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So kurz und anspruchslos am 6. August 2002 die vormittägliche Hinleistung von ST44-895 war - so lang und schwer war dann der Rückzug TNGS 5880 Zajaczkowo Tczewskie - Szczcecinek. Im Bild passiert die endlose Schlange gerade den Bahnhof Lag (Long). Leider legte die Sonne zum Aufnahmezeitpunkt eine längere Pause ein - das nächste Sommergewitter war im Anmarsch.
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Noch 1999 konnte man auf der Ostbahn die ST44 planmäßig vor Schnell - und Personenzügen erleben. Das war im Sommer 2002 so nicht mehr möglich, doch am 6. August spannte man zur Vermeidung einer Leerfahrt ST44-1105 vor Os 7729 Tczew - Chojnice, die planmäßige SU45-114 lief am Zugschluß mit. Bei Czarna Woda (Schwarzwasser) waren uns Petrus und die PKP wohl gesonnen - Petrus, weil er die Sonne noch für einen kurzen Moment gewähren ließ - und die PKP, die für eine Zugbegegnung mit SU45-116 und Os 7730 Chojnice - Tczew sorgte.
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Aufmerksam verfolgt der Fahrdienstleiter des Bahnhofs Kaliska die zügige Abfahrt von Os 7733 Tczew - Chojnice. Die Zuglok SU45-197 hatte zuvor nur kurz Zeit, sich vom anspruchsvollen Programm auf der Ostbahn mit häufigem Bremsen und Beschleunigen zu erholen. Sehr sehenswert ist die ungewöhnliche Wolkenbildung über dieser Szene vom 6. August 2002.
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Da ist er wieder! Am 2. August 2002 ist TNGS 8580 Szczecinek - Chojnice mit ST44-1108 an der Spitze zwischen Pinczyn und Piesienice unterwegs. Am Morgen Fahrtrichtung Ost, am Nachmittag dann zurück Richtung West - das verspricht für dieses Güterzugpaar bei Sonnenschein optimale Lichtverhältnisse. Dank moderater Geschwindigkeit ist auf einigen Streckenabschnitten sogar eine Zugverfolgung möglich.
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Man kann das Foto betrachten wie man will - Empfangsgebäude und Güterschuppen von Piesienice stehen schief! Ich versichere, daß ich am 2. August 2002 beim Ablichten von SU45-079 und Os 7728 Chojnice - Tczew völlig nüchtern war! Wie ihr schon bemerkt habt, SU45 und eine grüne Doppelstockeinheit waren in der Fahrplanperiode 2001/2002 eine verläßliche Größe im Personenverkehr auf der Ostbahn. Lediglich mit einigen Schnellzügen kam herkömmliches Wagenmaterial zum Einsatz.
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Bei Rokitki Tczewskie kann man die Ostsee schon fast riechen. Am 6. August präsentierte sich das Wetter, wie prinzipiell in der ersten Augusthälfte 2002 von seiner wechselhaften - und sehr unberechenbaren Seite. So nahmen wir schwitzend mit ST44-1105 die ungewöhnliche Bespannung von Os 7729 Tczew - Chojnice zur Kenntnis. Wie man sieht, kann man sich im Mündungsgebiet der Wisla (Weichsel) über Wassermangel ohnehin nicht beklagen! Zu gern wären wir ins sichtbare und vor allem kühle Naß des Rokitki-Sees gesprungen.
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Selber Standort wie beim vorherigen Bild - und doch ist alles ganz anders. Da wir uns angesichts der einmaligen Chance, eine ST44 vor einem Reisezug zu erleben, gegen das erfrischende Bad und für eine Zugverfolgung entschieden hatten, entstand dieser gelungene Schnappschuß sozusagen schon "zwischen Tür und Angel", in unserem Fall also zwischen dem Einsteigen und Gasgeben! Das sich der Stress gelohnt hat, konntet ihr ja schon weiter oben sehen.
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Angekommen in Tczew begegnet uns am frühen Morgen des 15. Juni 2002 wieder ein Ostbahnpersonenzug. Diesmal - und das ist die große Ausnahme - mit EN57-836 ein elektrisches Triebfahrzeug. Nur wenige Kilometer der klassischen Route Berlin - Kaliningrad - von Elblag bis Tczew - sind bislang mit einer Oberleitung versehen wurden. Der Zuglauf des "Kibel" E 91324/91325 beschränkt sich deshalb auf Elblag - Gdynia Glowny, gerade nimmt er mit schönstem Gleichstromsound unter den prüfenden Blicken der Bahnsteigaufsicht die letzten Kilometer seiner Fahrt in Angriff.
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Die alte "Kohlenmagistrale" - KBS 440 Gdynia - Koscierzyna - Bydgoszcz
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Zum Beginn dieser Galerie gleich ein Seitensprung auf eine benachbarte Strecke. Doch die KBS 441 Somonino - Kartuzy ist sehr eng mit der Hauptstrecke Gdynia - Koscierzyna - Bydgoszcz verbunden. Nein, ich berichtige - sie war es! Zum 10. Februar 2003 entledigte sich die PKP dieses angeblich so unwirtschaftlichen Klotzes am Bein. Somit erlebten wir während unseres Besuches am 5. August 2002 den letzten Sommer des Pendelbetriebes, der die letzten Jahre durchaus rationell mit einem Triebwagen der Baureihe SA101 oder SA102 durchgeführt wurde. "Einfahrt frei!" deutet das stolz in den Himmel ragende Einfahrtsignal des Bahnhofs Somonino (Semlin) dem Lokführer von SA102-002 und Os 66330 von Kartuzy.
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Weit weniger erhaben recken sich am 5. August 2002 die ehemaligen Ausfahrtsignale des aufgelassenen Bahnhofs Wiezyca (Thurmberg) gen Himmel. Schon 1999 fielen uns die zahlreichen rückgebauten oder aufgegebenen Bahnhofsanlagen auf, die durch den Zusammenbruch des Güterverkehrs überflüssig waren. Durchgehende Güterzüge gibt es nicht mehr, nur der Personen - und regionale Güterverkehr besitzt noch eine ernstzunehmende Bedeutung. Ob allerdings eine SU46 mit drei Reisezugwagen den wirtschaftlichen Erfolg der PKP herbeiführen, darf ernsthaft bezweifelt werden. Personenzug Os 90141 Koscierzyna - Gdynia Gl. mit SU46-045 an der Spitze dürfte dann eher ein Minusgeschäft für die angeschlagene polnische Staatsbahn sein.
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Begeistert waren wir anno 1999 beim Blick durch´s Zugfenster auf die Bilderbuchlandschaft Kaschubiens. Romantische Seen und Teiche, eingebettet in eine hügelige und sehr waldreiche Umgebung laden zum Urlaub voller Entspannung in der intakten Natur ein. Somit ist es auch nicht verwunderlich, daß der Wert der alten "Kohlenmagistrale" heute hauptsächlich touristischen Charakters ist. Am wettertechnisch sehr schönen 5. August 2002 bringt SM42-1084 mit Os 90136 Gdynia Gl. - Koscierzyna einen neuen Schwung Erholungssuchender in die Kaschubische Schweiz. Im Bild ist der Zug bei Golubie Kaszubskie (Gollubien) unterwegs.
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Oberhalb des Potulskie-Sees, und nur wenige Kilometer vom Standpunkt des vorherigen Bildes entfernt, entstand am 5. August 2002 diese Aufnahme von Os 90134 Gdynia Gl. - Koscierzyna, welcher von SU46-049 gezogen wurde. Beim Wagen am Zugschluß handelt es sich übrigens um einen Halbgepäckwagen mit mehreren Spezialabteilen. Noch Minuten zuvor passierten auf dem neben dem Gleis verlaufenden Weg zwei Pferdefuhrwerke unser Motiv, was hätten wir für einen pünktlichen Zug nicht alles gegeben...
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Kurz vor Koscierzyna (Berent) entstand am 5. August 2002 diese schöne Aufnahme von Os 90138 Gdynia Gl. - Koscierzyna. Mit SU42-524, welche hier die faszinierende Landschaft durcheilt, begegnet uns im Rahmen dieser Galerie erstmals eine der 40 Maschinen der vormaligen Baureihe SP42, die 1999 und 2000 auf elektrische Zugheizung umgerüstet wurden. Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig war die neue gelb - blaue Lackierung, welche zudem nach kürzester Zeit einen sehr abgestumpften Eindruck hinterließ. Doch wir haben gelernt, damit zu leben und wissen diese Farbtupfer in der sonst grünen Eisenbahnwelt der PKP zu schätzen.
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Das Bahnbetiebswerk Koscierzyna (Berent) entstand 1929 im Rahmen der Errichtung der "Kohlenmagistrale" Schlesien - Gdynia. Wie schon weiter oben erwähnt, hat diese Strecke ihre einstmalige Bedeutung weitgehend eingebüßt, das Bw wurde überflüssig. Heute beherbergt das Gelände ein Eisenbahnmuseum, in welchem neben zahlreichen nicht betriebsfähigen Dampflokomotiven auch ein ehemaliger Berliner Stadtbahner (wurde nach 1945 im Raum Gdansk /Gdynia eingesetzt) und neuerdings auch Diesellokomotiven, wie die hier zu sehenden SP45-139 und SM03-136 ausgestellt werden. Wir wurden sogar nach Ablauf der Öffnungzeiten eingelassen und bekamen eine Extraführung durch die gesamte Anlage. Vielen Dank für diesen Service!
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Im Jahr 1999 entdeckten wir in einem stillen Winkel des Bahnhofs Koscierzyna (Berent) eine Lokreserve in Form von 17 äußerlich schon schrottreifen ST44. Lediglich die Nummer von ST44-905 kann ich heute noch sicher nennen, der Rest ist damals aus fahrplantechnischen Gründen untergegangen. Drei Jahre später war die Sammlung komplett aufgelöst und wohl großteils in einem der zahlreichen Hochöfen Oberschlesiens verschwunden. Freunde der mechanischen Signal - und Sicherungstechnik kommen aber auch heute in Koscierzyna noch voll auf ihre Kosten. Dazu beachtet bitte die linke Bildhälfte!
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Als "moderne" Eisenbahn wurden die neuzubauenden Abschnitte der Magistrale Schlesien - Gdynia weitgehend kreuzungsfrei ausgeführt. Die Züge fahren durch Einschnitte und über Dämme, fast kein betriebsstörender Bahnübergang ist vorhanden. Da man in dieser Epoche der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch Ästetik und praktischen Nutzen von Bauwerken zu vereinigen wußte, sind die zahlreich vorhandenen Feldwegbrücken sehr dankbare Fotoobjekte. Am 5. August 2002 durchfuhr Triebwagen SA102-003 samt Mittel - und Steuerwagen auf dem Weg von Koscierzyna nach Czersk (Os 3334) eines dieser Bauwerke zwischen Koscierzyna und Podles.
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Leider haben Magistralen meist die Eigenschaft, um Ortschaften und damit einem nennenswerten Fahrgastaufkommen einen großen Bogen zu machen. Da ließ sich die finanziell klamme PKP nicht lange bitten und strich zwischen 1999 und 2002 das Zugangebot im Abschnitt Bak - Wierzchucin auf indiskutable zwei Zugpaare zusammen. Einzig das Zugpaar am Nachmittag fährt auf seinem gesamten Laufweg bei Tageslicht, ist somit für Fotografen ein Pflichttermin. Wir gingen unser Pflicht auch nach und lichteten am 5. August 2002 Lok SU42-524 mit Os 90042 Koscierzyna - Wierzchucin bei Lag Pld. (Long-Süd) ab.
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Wir machen noch einmal einen Seitensprung und finden uns am 15. Juni 2002 an der Ostbahn wieder. Nach einem umfangreichen Rangiermanöver (Kopfmachen, der Schwerlastwagen muß an der Zugspitze laufen) verläßt ST44-1105 mit einem Trafotransport Italien - Polen, welcher wegen seiner Lademaßüberschreitung einen ungewöhnliche Laufweg Wroclaw - Chojnice - Gdynia aufweist, den zugewachsenen Güterteil des Bahnhofs Czersk. Die nun zu befahrende Verbindungsstrecke Ostbahn - Kohlenmagistrale (KBS 429 Czersk - Bak), wie prinzipiell alle Strecken rund um Chojnice, werden sehr gern für derartige Lademaßüberschreitungen benutzt. Kenner werden auch das auf der linken Seite aufgestellte Einfahrtsignal bemerkt haben. Eine dazugehörige Schachbretttafel sucht man allerdings vergebens!
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Durch´s Herz Kaschubiens - KBS 424 Koscierzyna - Chojnice
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Ein Wechselbad der Gefühle haben die Eisenbahner an der KBS 424 Koscierzyna - Chojnice durchlebt. Bereits einmal komplett aus dem Kursbuch der PKP gestrichen, erlebte die Strecke wenig später ein Comeback. In aktuellen "Todeslisten" (Juli 2003) wird die Strecke dann plötzlich überhaupt nicht mehr erwähnt, obwohl noch immer alle Züge das berühmte "G" in der Kopfspalte führen. Durchlaufende Züge von Chojnice nach Gdynia - wie hier Os 90023 mit SU45-113 am 21. Juli 1999 in Lipusz (Lippusch) - sucht man allerdings vergeblich. Ebenfalls verschwunden sind die Doppelstockeinheiten und die Baureihe SU45.
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Anno 2002 ist die PKP der Meinung, daß auch zwei gesickte Mitteleinstiegswagen ausreichen. Übersehen hat man dabei lediglich, daß die Wagen ihre beste Zeit längst hinter sich haben und eigentlich in ein Museum gehören. So aber läßt man die Garnitur auf Touristen und Pendler los, vor allem erstere werden sich als Gelegenheitsfahrgäste in ihren Vorurteilen gegenüber der Staatsbahn bestätigt sehen - "alt und abgewirtschaftet" werden sie sagen! Doch sind wir mal ehrlich, welcher Freund des polnischen Eisenbahnwesens würde angesichts solcher Züge nicht in Verzückung geraten?! Ich auf jeden Fall, denn daß Ablichten von SP42-242 und Os 2238 Koscierzyna - Chojnice bei Dziemiany Kaszubskie (Sophienenwalde) machte am schwülen Nachmittag des 5. August 2003 richtig Spaß...
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...war aber auch sehr nervenaufreibend. Tiefe Wälder, einsame Seen und kleine bzw. kleinste Ortschaften wurden wegen einer Anschlußverspätung im "Eilzugtempo" passiert - als Autoverfolger hat man eigentlich kaum eine Chance. Nur durch das großzügige Auslegen einiger Straßenverkehrsvorschriften gelingt es uns, den Zug im Bahnhof Brusy (Bruss) einzuholen. Kaum daß wir ein Bein auf die Ladestraße gesetzt haben, setzt sich die Fuhre, um einige Dutzend Fahrgäste geleichtert, wieder kraft - und geräuschvoll in Bewegung. Als Ergebnis dieser Verfolgungsjagd kann ich sagen, daß gerade Bilder der Kategorie: "Doch noch geschafft!" die Wertvollsten sind, mit ihnen verbindet man unvergessliche Urlaubserlebnisse.
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Mit dem Zug an die Ostsee - KBS 450 Gdynia - Hel
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Direkt hinter der Ausfädelung aus der dichtbefahrenenen Hauptstrecke (u.a. S-Bahn SKM Gdansk - Wejherowo) hinter dem Bahnhof Reda (Rheda) müht sich am 21. Juli 1999 die zweckentfremdete Güterzug - und Rangierlok SM42-356 mit dem "Starzug" auf der KBS 450, dem Ex 15403 "Jantar" Warszawa - Hel die Steigung, am windschiefen Posten 36 vorbei, hinauf. Im Schlepp hat sie 9 Wagen, darunter auch einen Speisewagen. Noch ein Jahr zuvor konnte man hier die Baureihe ST44 vor Reisezügen im Einsatz erleben.
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Die Personenzüge nach Hel werden während der Urlaubssaison zumeist aus drei bis vier Reisezugwagen gebildet, gezogen von den Baureihen SU/SM/SP42 oder SU46. Hier verläßt am 4. August 2002 der Personenzug Os 93123 Gdynia Gl. - Hel mit SU42-539 an der Spitze den Ort Reda-Rekowo (Rekau). Zielstrebig geht es weiter in Richtung Ostsee. Außerhalb der Saison reicht für die wenigen Fahrgäste ein Triebwagen SA102 oder 101 völlig aus.
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Auch drei Jahre später kommt SM42-356 im Reisezugdienst nach Hel zum Einsatz. In diesen drei Jahren fegten diverse Stillegungswellen durch´s PKP-Land, doch der Zugverkehr an Polen´s schönsten Ostseestrand blieb bis zum heutigen Tag weitgehend verschont. Somit rollen auch weiterhin Schnell - und Personenzüge im dichten Takt. Dank der langen Bahnsteige, wie hier im Bahnhof Puck (Putzig), können auch längere Züge problemlos abgefertigt werden. Die drei Wagen von Os 9326 Hel - Gdynia Gl. verlieren sich da am 4. August 2002 schon ein wenig.
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Der Streckenabschnitt Swarzewo - Hel wurde erst im Jahr 1922 eröffnet. Die zuvor weitgehend unbewohnte Halbinsel Hel wurde daraufhin im großen Stil für den Tourismus erschlossen. Mehrere Ferienorte entstanden, u.a. Wladyslawowo, Kuznica, Jastarnia und Jurata. Zwischen den beiden letztgenannten Orten ist am 4. August 2002 Lok SU46-041 mit Ex 15403 "Jantar" Warszawa - Hel unterwegs. Die Linienführung durch den Dünenwald ist typisch, das Meer oder die Zatoka Pucka (Putziger Bucht) erblickt der Reisende nur selten. Zu Fuß sind es vom Fotostandpunkt nur wenige Sekunden bis zum herrlich feinsandigen und sauberen Ostseestrand, der trotz bestem Wetter fast menschenleer war! Angsthasen und Warmduscher können sich alternativ in der ebenfalls nahen, aber sehr seichten Zatoka Pucka abkühlen.
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Jeder Urlaub geht auch mal zu Ende! Am Nachmittag des 4. August 2002 verläßt SU46-041 mit Ex 51402 "Jantar" nach Warszawa Wschodnia die Ferieninsel wieder, hier aufgenommen am Ortsausgang von Kuznica. Während auf der Halbinsel selber die Eisenbahn das schnellste Verkehrsmittel ist (die einzige Straße ist ständig verstopft, kaum Parkplätze), kann man vom Fischerdorf Hel - an der Inselspitze gelegen - auch die Fähren nach Gdansk, Sopot und Gdynia nehmen. Wegen der langgestreckten Form der Halbinsel sind es auf dem Landweg (Schiene oder Straße) satte 97 Kilometer bis Gdansk, mit dem Schiff quer über die Zatoka Gdanska (Danziger Bucht) lediglich 30 Kilometer!
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Auf dem Weg nach Kaliningrad - Der Bahnknoten Braniewo (KBS 503a, 505, 503)
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Die erste Strecke, die ich hier vorstellen möchte, ist die als "Haffuferbahn" bekannte KBS 503a Elblag - Frombork - Braniewo. Der Blick auf die Landkarte ist vielversprechend, verläuft doch ein Großteil der Strecke unmittelbar an der Bucht Zalew Wislany (Frisches Haff) entlang, welche durch die Frische Nehrung faktisch vollständig von der Ostsee abgetrennt ist und somit nur duch die hier mündenden Flüsse mit Frischwasser gespeist wird. Vor Ort allerdings macht sich schnell Enttäuschung breit. Die spektakulärsten Stellen der Kategorie "Zug mit Meer" sind leider wegen des meterhohen Schilfbewuchses nicht fotografierbar. Nach langer Suche gelingt es uns am Morgen des 3. August 2002, den Personenzug Os 9123 Elblag - Braniewo mit SU42-513 an der Spitze nahe Suchacz-Zamek (Succase) mit dem am Horizont noch zu erkennenden Frischen Haff aufzunehmen. Die autofreie Straße ist übrigens kein Zufall!
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Wegen der eben geschilderten Probleme beschließen wir, auf den "Festlandteil" auszuweichen. Bei Stepien (Stangendorf) entdecken wir diesen Bahnübergang, der durch seine eigenwilligen Schrankenbäume besticht. Eine derart grazile Bauform habe ich bislang noch nicht wieder entdecken können. Als Clou funktionieren sogar die aufgesetzten, winzigen Blinklichter! Rechtzeitig zur Vorbeifahrt von SU42-513 und Os 9123 Elblag - Braniewo findet sich ein zum Aufnahmezeitpunkt noch allgegenwärtiger FSM 126p (FSM = Fabryka Samochody Male = Fabrik für kleine Autos!) ein. Die Wurzeln des FSM 126p liegen übrigens in Italien (Fiat 126), er wurde dort ab 1972 gebaut. Erst später wurde in Polen die Produktion für den Weltmarkt aufgenommen. Von der Größe des Gerätes sollte man sich nicht täuschen lassen, seine Besitzer fallen selbst bei einem mit fünf Personen besetzten Wagen durch eine sportliche Fahrweise auf! (Foto: Christwart Rudolf, 3.8.2002)
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Weithin sichtbar ist der im 15. Jahrhundert entstandene Turm der Katharinenkirche Braniewo (Braunsberg), welche im zweiten Weltkrieg - wie auch der Rest der Stadt - fast vollkommen dem Erdboden gleichgemacht wurde. Dank umfangreicher Restaurierungen erstrahlt das Bauwerk, dessen Schiff in den Jahren 1343-81 erbaut wurde, heute in neuem Glanz. Gottseidank haben wir am 3. August 2002 friedlichere Zeiten, und somit dürften beim Personal von SU42-513 und Os 9124 nach Elblag die Sorgen um den Arbeitsplatz angesichts der nicht abreißenden Stillegungsgerüchte um die Haffuferbahn größer sein. Den gefürchteten "G-Day" im Juli 2003 wird die Strecke allerdings noch fast unbeschadet überstehen. Erst 2006 wurden hier "Nägel mit Köpfen" gemacht, Schluß, aus, vorbei!
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Ein echtes Schmuckstück ist das Empfangsgebäude des Bahnhofs Braniewo (Braunsberg). Davor hat am 3. August 2002 die Lok SU42-513 Aufstellung genommen, welche einige Stunden später über die KBS 503a nach Elblag fahren wird. Hinter dem Reisezugwagen erkennt man die völlig deplatzierte Fassade des neuen Zoll - und Sanitärgebäudes, welches nach Wiederaufnahme des regulären Reiseverkehrs ins Jahrzehnte vollkommen abgeschottete Kaliningrad notwendig wurde. Der Rest des Bahnhofs wurde ebenfalls modernisiert, allerdings ging man da behutsamer zu Werke.
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Sehr interessant ist der Gleisplan des Bahnhofs Braniewo (Braunsberg). Zwei Spurweiten (1435 und 1520 mm) stellen hohe Anforderungen an das Stellwerkspersonal. Auf dem russischen Breitspurgleis, daß am Hausbahnsteig vorbei noch einige Kilometer Richtung Elblag führt, verkehren Güterzüge von und nach Kaliningrad über den gerade noch 8 Kilometer entfernten Grenzübergang Braniewo/Mamonowo. Illuster ist die "internationale" Lokparade, die mit einem "Mischmasch" an Maschinen aus der ehemaligen Sowjetunion (SM48 + ST44 im Bildhintergrund, beide übrigens breitspurig), Rumänien (ST43 links im Bild) und Polen (SU42-513) die hektische Beschaffungspolitik der polnischen Staatsbahn auf dem Dieselloksektor in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts wiederspiegelt. (Foto: Christwart Rudolf, 3.8.2002)
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In unmittelbarer Nähe dieses Fotostandpunktes unterquert die KBS 505 Elblag - Bogaczewo - Braniewo (- Kaliningrad) die ehemalige Reichsautobahn 12 Berlin - Königsberg, die heute in Straßenkarten unter der Straßennummer 508 zu finden ist. Keinen Zweifel, hier zwischen Chrusciel (Tiedmannsdorf) und Bemowizna kehren wir noch einmal kurz an die Ostbahn zurück, die in diesem Abschniit im Besuchsjahr ihr 150-jähriges Jubiläum begeht. Mit einem Kesselwagenzug ist am 3. August 2002 die betagte ST43-69 Richtung Braniewo unterwegs. Auf der rechten Bildseite erkennt man die breitspurigen Gleisanlagen, welche allerdings nicht mehr durchgehend bis Elblag, sondern nur noch bis zum Umspurbahnhof Chrusciel befahren werden. Nach rechts verschwindet in den Wald ein Anschlußgleis zu einer Umladerampe.
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Etwas im Schatten der beiden zuerst vorgestellten Strecken des Bahnknotens Braniewo steht die KBS 503 Braniewo - Olsztyn. Doch damit tut man dieser Strecke Unrecht, die durchaus ihre Reize hat. Nur noch selten findet man in Polen klassische Nebenbahnen in derart dünn besiedelten Gegenden, zudem sind noch vier durchgehende Zugpaare im Kursbuch verzeichnet. In der Nähe des Haltepunktes Grozie findet man, mal abgesehen von einem Gehöft zur linken und einem Rudel Störche zur rechten Seite nur Einsamkeit vor. Am 3. August 2002 durchquert SU45-028 mit Os 97224 Braniewo - Olsztyn die liebliche Gegend.
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Etwas später begegnet uns am 3. August 2002 in der Nähe des Haltepunktes Wysoka Braniewska mit SU46-004 die älteste noch einsatzfähige Maschine dieser Bauart. Der Personenzug Os 97225 Olsztyn - Braniewo durchstreift hier bereits die Masuren, daß bedeutet Landschaftserlebnis vom Feinsten! Nicht so optimal ist die Umlackierung der Lokfront von gelb auf grün.
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Fotografisch sehr ergiebig ist der Bahnhof Pieniezno (Mehlsack). Am Vormittag des 3. August begegnet uns wiederholt SU45-028 mit Os 97224 auf der Fahrt von Braniewo nach Olsztyn. Gerade passiert sie nach der planmäßigen Kreuzung mit SU46-004 und Os 97225 nach Braniewo das Stellwerk PM und ein Eisenbahnerwohnhaus an der südlichen Ausfahrt. Besonders gefallen hat mir der auffällige Baum hinter dem Stellwerk.
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Am Nachmittag des selben Tages legte die Sonne eine Pause ein. Kein Grund, den Fotoapparat einzupacken. Ein riesiger Silo zur rechten Seite des Fotografen und die auf der anderen Gleisseite befindlichen Verladeanlagen, verbunden mit einem Förderband, geben für SU45-028 und Os 97227 Olsztyn - Braniewo einen attraktiven Bildhintergrund bei der Einfahrt in den Bahnhof Pieniezno (Mehlsack) ab.
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Von der Marienburg zum Weichselufer - KBS 415 Malbork - Grudziadz - Torun
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Herzlich willkommen in Kwidzyn (Marienwerder), bitte treten Sie ein! Das Empfangsgebäude ist sehr schön, hat aber auch einen entscheidenten Nachteil - es gibt nichts zu essen! Selbst auf dem benachbarten Busbahnhof und im Stadtzentrum fanden wir keine nennenswerte Gastronomie. Dafür bot die Polskie Koleje Panstwowe am Morgen des 7. August 2002 nach einem einstündigen Anfall von schlechtem Wetter sehr sehenswerten Eisenbahnbetrieb!
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Die Ankunftszeit von Güterzug TJLS 10170 Zajaczkowo Tczewskie - Malbork - Kwidzyn (Marienwerder) stimmte mit unseren Aufschreibungen fast auf die Minute genau überein, die Baureihe dagegen nicht. Statt "Gagarin" leider nur ein "Rumun" - ein "Rumäne", wie die Baureihe ST43 im polnischen Eisenbahnerfachjargon bezeichnet wird. Selten sieht man in Polen komplette Containerzüge, der hinter ST43-275 laufende Zug ist für die "International Paper Kwidzyn S.A.", eine Papierfabrik am Stadtrand mit riesigen Ausmaßen, bestimmt. Rechts sieht man die bis Mitte der neunziger Jahre zweigleisige ex. KBS 413 nach Prabuty (das rechte Gleis wurde mit einer im Hintergrund sichtbaren Sh2-Scheibe gesichert), welche ihren Personenverkehr aber bereits verlor.
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"BEI DEN KOMMUNISTEN - STRENG VERBOTEN!" - ein älterer Herr, der uns eine zeitlang beim Ablichten der rangierenden SM42-1113 beobachtete, brachte es auf den Punkt. Denn noch 13 Jahre zuvor wäre man für DAS, was wir heute Hobby nennen, ins Gefängnis gewandert oder man hätte sich zumindest stundenlangen Verhören aussetzen müssen. Vielleicht war ja Kwidzyn (Marienwerder) tatsächlich ein heißes Pflaster für Eisenbahnfotografen? Lohnenswert war und ist es angesichts von sechs den Bahnhof überspannenden Brücken allemal!
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Zum Abschied vom Bahnhof Kwidzyn (Marienwerder) fotografieren wir einen ausfahrenden Personenzug. Streng genommen handelt es sich sogar um einen Eilzug, denn SU45-156 und Zug 55424 "Bursztyn" Slupsk - Grudziadz passieren die meisten Unterwegsstationen der KBS 415 ohne Halt. Besonders schön ist die Straßenbrücke, das davor befindliche Blechhäuschen entpuppt sich als eine Art Stellwerk (und Beobachtungsposten...).
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Der Bahnhof Grudziadz zeichnet sich mehr durch seinen regen Betrieb, als durch optischen Hochgenuß aus. Deshalb kein Foto von dort! Ersatz findet man mit dem Straßenbahnhof Grudziadz gleich um die Ecke. Vor dem Backsteinschuppen wartet am 7. August 2002 der Triebwagen 60 auf neue Einsätze. Der Typ 805Na (bzw. die Normalspurvariante 105 Na) ist in Polen sehr weit verbreitet und bestimmt neben einigen gebraucht aus Deutschland erworbenen DUEWAG´s auch das Geschehen bei diesem kleinstädtischen Betrieb. Daneben existiert noch mindestens ein Wagen vom Typ N, einem Nachbau des auch in Deutschland bekannten KSW. Dieser wird als Arbeitswagen vorgehalten und versteckt sich gerade hinter einem der schönen Holztore.
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Ob Güterabfertigung, Empfangsgebäude, Wasserturm oder die angeschlossene Wohnsiedlung - Backstein pur bietet der Bahnhof Chelmza (Kulmsee). Doch mit der Einstellung des Reiseverkehrs auf der kreuzenden KBS 416 Bydgoszcz - Brodnica (im Fahrplan 1998/99 immerhin noch 4 bis 6 Zugpaare) hat die Romantik Risse bekommen. Die großzügigen Bahnanlagen vergammeln, schnell sichtbar an der teilweise demontierten Bahnsteigbeleuchtung oder den vollkommen zugewachsenen Gleisen. Morbider Charme, zu dem am 7. August 2002 auch SU45-129 mit ihrer gemischten Garnitur (Os 5525 Torun Gl. - Malbork) gut passt.
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Leider etwas zugewachsen ist das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ostaszewo Torunskie, welches am späten Nachmittag des 7. August 2002 von SU45-095 und Os 5527 Torun Gl. - Malbork tangiert wird. Der Einsatz von Doppelstockeinzelwagen aus Görlitz ist typisch für diese Strecke, etwa die Hälfte der Züge wird so gebildet. Einen wesentlich besseren Blick auf den Bahnhof hat man übrigens von einer parallel verlaufenden Straße.
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Der Streckenabschnitt Chelmza - Torun verläuft größtenteils neben einer dicht befahrenen Hauptstraße. Das macht die Motivsuche und die anschließende Erreichbarkeit der gewählten Fotostellen nur noch leichter. Besonders gut gefallen hat uns dieses Bahnwärterhäuschen zwischen Lysomice (Lissomitz) und Torun Wschodnie (Thorn West), daß am 7. August 2002 von SU45-263 und einer vierteiligen Doppelstockeinheit als Os 5526 Malbork - Torun Gl. passiert wird. Freunde von üppigen Telegrafenleitungen kommen an der gesamten Strecke voll auf ihre Kosten.
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Zwischen Torun Miasto (Thorn Stadt) und Torun Glowny (Thorn Hbf) muß Polens Fluß Nummer 1, die Wisla (Weichsel), mittels einer imposanten, stolze 997 Meter langen, Brückenkonstruktion überquert werden. Die erste Brücke, von der heute nur noch die (teilweise zerstörten) Türme übrig sind, wurde bereits im Jahr 1872 eröffnet. Neben der hier vorgestellten KBS 415 nach Malbork passieren die KBS 410 nach Sierpc (siehe weiter unten) und die seit 1987/88 elektrifizierte KBS 405/430 nach Olsztyn dieses - auch nach dem Neubau - monumentale Bauwerk. Auf letzterer Strecke ist am frühen Abend des 7. August 2002 EU07-114 ("Europas beste E-Lok") mit dem Schnellzug 65105 "Drweca" Wroclaw - Torun - Olsztyn unterwegs, in Kürze wird der Haltepunkt Torun Miasto erreicht.
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Durch die Felder Masowiens - KBS 410 Torun - Sierpc - Nasielsk und KBS 418 Brodnica - Sierpc - Plock - Kutno
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Eine Umschreibung der KBS 410 Torun - Nasielsk, der ich mich nur anschließen kann, fand ich auf der Homepage von Thomas Wünsch: "...es gibt hier kaum Höhepunkte, die Bahn verläuft im Prinzip auf der gesamten Länge durch flaches Land, vorbei an Bauernhöfen, an Kuhweiden, an kleinen und kleinsten Dörfern - dies zeichnet die Strecke aus. Die Bahnhöfe sind nicht besonders schön, die kleinen Haltepunkte meist heruntergekommen..." Was also treibt den gemeinen Eisenbahnfreund an diese 170 Kilometer lange Strecke? In erster Linie wohl die Neugier, ich höre mich noch sagen: "Mal gucken, wie das dort aussieht?! Lohnt sich vielleicht, Trommeln sollen ja auch fahren..." Lange muß man suchen, um halbwegs fotogene Stellen, wie hier nahe dem Haltepunkt Konotopie zu finden. SU45-185 passiert im Streiflicht der bald untergehenden Sonne des 1. August 2002 mit Os 51025/4 Torun Gl. - Sierpc ein frisch abgeerntetes Feld. Die maximal möglichen 300 Millimeter Brennweite meines Zoomobjektives mußten mal wieder bis zur Gänze ausgereizt werden!
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Sierpc (Sichelberg) besitzt den Prototyp eines typischen polnischen Kleinstadtbahnhofs, wie man ihn Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts überall vorfinden kann. Der Putz bröckelt im immer schnelleren Takt von den Wänden, die Vegetation erobert sich die Gleise und Bahnsteige zurück und der Kohlevorrat für den Winter wird auf dem Hausbahnsteig gelagert. Die benachbarte Einsatzstelle beschäftigt sich am Tag mit den maximal drei oder vier anwesenden Lokomotiven (unglaublicher Schwachsinn!), der ausgehangene Fahrplan weist im unberechenbaren Takt größere Lücken im Angebot auf, das "G" an allen Zügen nährt die ständigen Spekulationen um die weitere Zukunft. Kaum vorstellbar, was hier noch vor 20 oder 30 Jahren los gewesen sein muss, die Einsatzstelle war mal ein ausgewachseneses Dampf-Bw und die Personen - und Güterzüge fuhren im dichten Takt in alle vier Himmelsrichtungen ab, die ebenerdigen Bahnsteigzugänge mußten gar mit einem Schrankenposten gesichert werden... (Foto vom 8. August 2002)
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Keineswegs möchte ich verhehlen, daß mir dieser morbide Charme gefallen hat. Wo sonst entdeckt man so liebenswerte Details, wie Gittermast-Formsignale und die übermannshohe, auf ziemlich wackeligem Fuß stehende, Rangierhalttafel Ra10 direkt vor einem architektonisch bemerkenswerten Stellwerk (Motto: Ohne Ecken und Kanten!). Am Morgen des 8. August 2002 heißt es nach eindreiviertel Stunden Fahrt am Endbahnhof Sierpc (Sichelberg) "Einfahrt frei" für den Lokführer von SU45-263 und Os 51021/0 Torun Gl. - Sierpc. Rechts mündet die Strecke von Brodnica ein, die mittlerweile ohne Verkehr ist.
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Am Bahnsteig angekommen, entdeckt man neben dem großen "Nichts", das sofort hinter dem Bahnhof Sierpc (Sichelberg) beginnt, mit den verschiedenen Hinweistafeln (Bahnhofsname, Bahnsteignummer) und dem hübsch geschwungenen Lautsprecher weitere schöne Details. SU45-263 und Doppelstockeinheit werden in Kürze als Os 66614 eine Verbindung nach Nasielsk herstellen. Interessant war die Beobachtung, daß alle Züge in diese Richtung ohne Hauptsignalbedienung ausfuhren.
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Die zwei - bis vierteiligen Doppelstockeinheiten aus Görlitzer Produktion sind bei der PKP trotz abnehmender Tendenz noch immer unverzichtbar. Sie befinden sich deshalb noch voll im Unterhaltungsbestand, wie die Garnitur auf den beiden zuvor vorgestellten Bildern beweist. Die Lackierung in gelb-orange wurde erst Anfang der neunziger Jahre eingeführt und stieß vor allem bei Dampflokfreunden auf Ablehnung. Hinter einer grünen Diesel - oder Elektrolok allerdings macht sich der Farbtupfer ganz gut. Das auch die Fahrgasträume einer Auffrischung unterzogen werden, zeigen diese beiden Bilder. Laden der Blick in das obere Stockwerk und auf einen der Wagenübergänge (Achtung Stufe!) nicht mal wieder zum Reisen im markanten Takt der dreiachsigen Jakobsdrehgestelle ein? Ich kann es nur empfehlen!
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Mit ST44-1110 und TMZS 81580/1 Torun - Plock-Trzepowo verlassen wir am 1. August 2002 den Bahnhof Sierpc (Sichelberg) auf der hier nur noch im Güterverkehr betriebenen ex. KBS 418. Der Kesselwagenganzzug ist bestimmt für die Chemopetrol Plock S.A., deren Tankstellennetz unter dem Namen "Petrochemia Plock S.A. bekannt ist. Die Bydgoszczer "Trommeln" haben mit diesen Transporten zumindest mittelfristig ein gesichertes Einsatzgebiet. Die planmäßigen Fahrzeiten sind allerdings nicht mal das Papier wert, auf denen sie gedruckt sind. Neben einer großen Portion Glück sollte man also viel Zeit und Geduld mitbringen.
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Die Hauptlast des Güterverkehrs wird über den südlichen Teil der KBS 418 (Kutno - Plock-Trzepowo) abgewickelt, welcher eigens dafür elektrifiziert wurde. Kurz vor dem Bahnhof Plock überqueren die Züge, wie hier am 1. August 2002 die sechsachsige ET22-655 mit einer langen "Kesselwagenleine", die Weichsel auf einer imposanten Brücke, welche gleichzeitig auch vom Autoverkehr genutzt wird. Im Hintergrund erkennt man einen Teil der Hafenanlagen, die aber ganz offensichtlich nicht in Betrieb sind.
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Hier ist ausnahmsweise FOTOGRAFIEREN VERBOTEN! Blöd ist nur, daß nur auf einer Seite der Brücke ein Hinweisschild aufgestellt wurde. Wer sich mit dem Auto von der anderen Seite via "verbotener" Straße heranpirscht, bekommt nicht mit, wenn er in die Falle tappt. Zum Glück brauchte der Werksschutz der Chemopetrol Plock S.A. 15 Minuten, bis er uns freundlich (kann sich der SOK, sprich Trapo, mal ein Beispiel nehmen) aber bestimmt des Platzes verwies. Die Filme durften wir kommentarlos behalten! Somit kann ich dieses Bild mit einer rangierenden TEM2 (entspricht PKP-Baureihe SM48) in den riesigen Werksanlagen als Abschluß meines Bilderbogens "Sommerreise durch das Bahnland Polen" präsentieren. Ich hoffe, ich habe Euren Geschmack getroffen und das für jeden etwas dabei war! Besucht das Bahnland Polen, so lange es noch geht!
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